VARROA & ZUCHT

Publikationen:
- Bienenzucht in Schwierigkeiten (noch unpubliziert)

- Varroatolerante Bienenvölker - eine Utopie?
(Schweizerische Bienenzeitung 4/2005)
- Merkmale und Eigenschaften varrotoleranter Bienen (Schweizerische Bienenzeitung 5/2005)


Die Varroamilbe – eine tödliche Bedrohung unserer Bienenvölker

 
     
  varroaweibchen
Weibchen der Varroamilbe; tatsächliche Grösse ca 0.8mm
bienenmitmilbe
Varroamilbe auf Arbeitsbiene
 
     
  DAS GROSSE BIENENSTERBEN  
     
 
Seit 20 Jahren kämpfen wir in der Schweiz gegen die Varroamilbe. Verschiedene Mittel und empfohlenen Bekämpfungsstrategien halfen uns, einigermassen über die Runden zu kommen. Trotzdem gehen immer wieder zu viele Völker ein. Anfangs fand man in den zusammenbrechenden Völkern mehrere tausend Milben. Heute hingegen braucht es dazu bei weitem nicht mehr so viele, da in den geschwächten Völkern rasch Viren überhand nehmen. Wenn es infolge zu milder Winter zu keinem längeren Brutunterbruch kommt, auch im Vorfrühling schon kräftig gebrütet wird, kann sich der Parasit ungehindert vermehren. Bienenvölker können dann schon im Juli zusammenbrechen. Ist es zur Hauptbekämpfungszeit (von Juli – September) oft kühl und feucht, wird in den Völkern die nötige Säurekonzentration (Behandlung mit Ameisensäure oder Thymol) nicht erreicht und die Dezimierung der Varroen ist ungenügend, die Brut geschwächt und virenverseucht. Bedingt durch schlechtes Wetter fehlt es auch an Pollen, welchen die Pflegebienen brauchen, um kräftige und langlebige Winterbienen aufzuziehen. Im Herbst und Winter sterben darauf viele Völker, oftmals auch solche, welche noch im August sehr kräftig schienen. Im Folgejahr sind die überlebenden, aber geschwächten Völker, dann sehr anfällig für altbekannte Krankheiten wie Faul- und Sauerbrut und Nosema (Darmkrankheit).
 
     
  totebienen
Reste eines abgestorbenen Volkes
schlechtebefruchtung
Fehlt es an Bienen im Frühling, ist dieauf dem Kastenboden Befruchtung der Obstbäume gefährdet.
 
     
  WIE KOMMEN WIR AUS DIESER MISERE WIEDER HERAUS?  
     
 
Die Informationen über Bienenvölker, die ohne Behandlung gegen die Milbe überleben, sind inzwischen klar bestätigt worden. Es handelt sich dabei meist um züchterisch wenig bearbeitete „Landbienen“ aus Afrika, Südamerika und Südostsibirien oder aber um Mischlinge von europäischen Bienenrassen (Inselversuch auf Gotland, Schweden).
Berichte über Varroatoleranz-Zuchtprojekte in Deutschland, Luxemburg, Österreich und Kroatien zeigen, dass man sich dort ernsthaft an die Zuchtarbeit gemacht hat. Das Projekt der internationalen Carnica – Vereinigung (Arbeitsgemeinschaft für Toleranzzucht) ist breit abgestützt und arbeitet mit wissenschaftlicher Unterstützung. Ob aber in der Carnicabiene, welche seit Jahrzehnten auf Ertrag, Sanftmut und Schwarmträgheit selektioniert wurde, die nötigen Widerstands-Gene noch zu finden sind, wird die Zukunft zeigen. Renommierte Züchter wie Österlund (Schweden > afrikanische Monticola in die Buckfastbiene), Jungels (Luxemburg > südostsibirische Primorsky in die Buckfastbiene), Koller (Deutschland > südostsibirische Primorsky in die Buckfastbiene) haben varroatolerante „Landbienen“ in ihre Völker eingekreuzt. Die darauf folgende Selektionsarbeit ist im Gange. Hanspeter Berger hat in seine Carnica-Völker ebenfalls Primorsky eingekreuzt. Bereits hat sich die Vitalität seiner Völker deutlich verbessert. Bis zum Ziel – Bienenhaltung ohne Varroabehandlung – ist es noch weit. Aber es gibt keine Alternative zu dieser mit viel Aufwand und Idealismus von voraus denkenden Imkern geleisteten Zuchtauslese.
 
     
  VARROATOLERANZZUCHT IN DER SCHWEIZ  
     
 
Damit in einem noch immer relativ dicht mit Bienen besiedelten Gebiet wie der Schweiz die Eigenschaften der Bienenpopulation nachhaltig verändert werden können, braucht es die Zusammenarbeit vieler Züchter über eine lange Zeit. Das Beispiel der Carnica, bei der in den vergangenen Jahrzehnten Honigertrag, Schwarmlust und Sanftmut gewaltig verbessert wurden, zeigt, was möglich ist. Die Varroatoleranzzucht muss jetzt und auf breiter Basis angegangen werden. Es gibt dazu keine keine Alternative, die Symptombekämpfung allein ist keine Lösung auf Dauer. Dabei sind Vitalität und Widerstandskraft gegen Krankheiten und Parasiten vor die altbekannten Leistungseigenschaften zu setzen. Wenn es gelingt, eine einfache Bienenhaltung ohne ständige Varroabekämpfung und periodischem Völkersterben zu ermöglichen, werden auch die Jungimker mit mehr Freude und Ausdauer bei der Imkerei bleiben. Deshalb ist die Toleranzzucht auch ein Dienst an den kommenden Imkergenerationen. Weiteres passives Abwarten ist unverständlich, besonders da man auch in der Schweiz nach sehr guten Ertragsjahren Mühe hat mit dem Honigabsatz. Selektion auf Vitalität ist also dringender als Honigproduktion.
 
     
  gesundesvolk
So sollte es sein: mit Bienen gut besetzte Brutwabe eines gesunden Bienenvolkes im März
konigin
Junge Zuchtkönigin aus eigener Varroatoleranzzucht